Rückschau Open Source Day
Wie angekündigt fand vergangenen Freitag nachmittag (28.5.2010) in der Wirtschaftskammer Tirol der 1. Open Source Day mit ca 100 Teilnehmern statt.
Florian Schießl begann mit seinem Vortag über das LiMux Projekt. Die Münchner Stadtverwaltung ist seit 2003 dabei, ihre ca. 15000 Arbeitsplätze auf Open Source-Software wie OpenOffice und Linux umzurüsten. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren nicht in erster Linie Kostenfaktoren, sondern das Bemühen um eine nachhaltige IT-Strategie, Unabhängigkeit von einzelnen Firmen und eine Stärkung der Region in und um München im IT-Bereich. Und das dürfte laut Schießl recht gut gelungen sein.
Anschließend hat Wolfgang Wasserburger OpenStreetMap vorgestellt. Oberflächlich ist das Projekt eine freie Alternative zu Google Maps. Dahinter steckt jedoch mehr. Ähnlich dem Prinzip von Wikipedia kann OpenStreetMap von jedem registrierten Benutzer aktualisiert und erweitert werden. Ausgehend von lizenzfreien Satellitenkarten oder GPS-Tracks entsteht so eine Weltkarte, deren Daten unter einer Creative-Commons-Lizenz frei verfügbar sind. Es steht also nicht nur eine bestimmte fertige Karte zu Verfügung, mit den entsprechenden Schnittstellen und Werkzeugen kann man auf die dahinterliegenden Daten selbst zugreifen und damit Spezialkarten z.B. für Fahrradfahrer oder Blinde erstellen.
Dass bei solch offenen Systemen nicht immer alles rund läuft, zeigte die anschließende Verlesung eines Statements im Namen der OpenStreetMap-Mapping-Community. Hr. Wasserburger wurden Fehler bei großen Datenimporten und im Anschluß daran mangelnde Kommunikation mit der Community vorgeworfen. Gleichzeitig gab es das Angebot der Community, diese Mißverständnisse am Open Source Day zu klären. In der anschließenden Diskussion konnten diese aus dem Weg geräumt werden.
Insgesamt überwiegen die positiven Aspekte des Projekts OpenStreetMap natürlich. Bei der Erdbebenkatastrophe auf Haiti konnten Hilfsorganisation so auf aktuelle Daten zurückgreifen, die es sonst in dieser Form nicht gab. In Gegenden, in denen kommerzielle Anbieter von Kartenmaterial keinen Nutzen einer genaueren Erfassung sehen, liefert OpenStreetMap erstmals überhaupt genaue Karten (vgl. das Projekt zur Kartographierung der Hauptstadt Burkina Fasos Ouagadougou).
Abschließend berichtete Ralph Müller über die Eclipse Foundation und Open Innovation. Open Innovation kann man als Gegenkonzept zum klassischen Researchansatz und Patenten sehen. IBM ging mit der Veröffentlichung der Java-Entwicklungsumgebung Eclipse diesen Weg. Welche Motivation steckt dahinter, diese Software, die zuvor einige tausend Dollar pro Lizenz kostete, inklusive Source-Code frei zur Verfügung zu stellen? Natürlich sieht es so aus, als gäbe man zunächst ein wichtiges Asset aus der Hand. Allerdings nutzte man die dann freie Software als Motor für darauf aufbauende Business-Modelle. Zudem sichert die entsprechende Open-Source-Lizenz geistiges Eigentum (Intellectual Property / IP). Die Eclipse Foundation kümmert sich heute um die Koordination der Projekte und gewährleistet, dass der Code frei von Patenten Dritter ist.
Insgesamt zeigten die Vorträge an diesem Nachmittag recht gut, dass Open Source dem Gratis-Klischee entwachsen ist und ein Innovationsmotor für die Wirtschaft ist. Viele Unternehmen, auch außerhalb der IT-Branche, kommen heute ohne Open Source gar nicht mehr aus, ganz im Gegenteil: Besonders für kleinere Unternehmen ermöglicht Open Source erst, überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben.
