Mehrere Teams aus Tiroler Unternehmen sowie ein Team der Wirtschaftskammer Tirol nahmen heute Cyber Security-Planspiel teil. Dieses wird im Rahmen von „Gemeinsam.sicher mit der Wirtschaft“, einer Aktion der Wirtschaftskammern und des Bundesministeriums für Inneres, abgehalten. Hintergrundinfos dazu von Gerald Kortschak, Leiter der österreichischen Arbeitsgruppe IT-Security.

Cyberkriminalität ist in den vergangenen Jahren zum immer größeren Problem geworden. Wie viele Delikte wurden in Österreich verzeichnet?

Im ersten Halbjahr stieg die Cyberkriminalität um fast zwanzig Prozent. 2016 waren es ein wenig über 13.000 Delikte in Österreich.

Wer steckt hinter den Cyberangriffen?

Grundsätzlich kann man mehrere Formen der Cyberkriminalität unterscheiden. Ein sehr großer Anteil entfällt beispielsweise auf Betrugsdelikte. Dabei täuschen die Täter vor, jemand anderer zu sein und bringen ihre Opfer dazu Geldbeträge zu überweisen. Außerdem unterscheidet mman Ddos-Attacken, wo Cybersysteme oder Homepages derart mit Anfragen einzudecken, dass keine Zugriffe anderer Kunden mehr möglich sind. Auch Ransomware-Attacken nehmen deutlich zu. Hier werden   Systeme verschlüsselt. So wird z.B. ein Service- oder Zugangsbereich verschlüsselt und damit lahmgelegt.

Richten sich Cyberattacken häufiger gegen Privatpersonen oder gegen Unternehmen?

Es sind sehr viele Privatpersonen betroffen. Insbesondere von Phishing-Attacken, bei denen Code- und Schlüsselwörter für das Onlinebanking ergaunert werden. Unternehmen sind eher von Attacken betroffen, die die Produktion oder den Betrieb stilllegen.

Wer sind Auftraggeber für Attacken. Konkurrenzunternehmen?

Auch das ist möglich im wirtschaftlichen Bereich. Der größere Teil hängt aber nicht mit anderern Unternehmen zusammen.

Wie bereichern sich die Kriminellen?

Bei aufgrund eines Angriffs verschlüsselten Daten wird dem Betroffenen ein Angebot gemacht, dass ein Passwort oder ein Entschlüsselungsprogramm bereitgestellt wird. Allerdings muss dafür ein Betrag – oft im Bitcoin – überwiesen werden. Meist handelt es sich dabei um 100 bis 300 Euro.

Kommen derartige Erpressungsfälle auch bei Unternehmen vor?

Bei Unternehmen ist die Zielrichtung meist eine andere. Hier soll den Unternehmen nachhaltig Schaden zugefügt werden.

Stammen die meisten Angriffe aus dem Inland oder aus dem Ausland?

Bei Cybercrime-Fällen ist dies nicht ganz so einfach festzustellen. Die Erfahrung zeigt, dass es sich dabei gelegentlich um Inlandstäter handelt, meist sind es jedoch Täter aus dem Ausland.

Wie kann sich ein Unternehmen nach einer Cyberattacke schützen?

Bei Planspielen wird heute gemeinsam untersucht ob Notfallpläne funktionieren: einserseits den Angriff stoppen und andererseits so schnell wie möglich den Betrieb wieder aufnehmen lassen. Wichtig ist hierbei das Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Polizei.

 

Gibt es in der Polizei einen eigenen Bereich für Cyberkriminalität?

Wir haben über 300 Ermittler auf Bezirksebene, auf der Ebene der Landeskriminalämter und im Cybercrime-Kompetenzcenter im Bundeskriminalamt.

TIPP: Zur Meldestelle Cybercrime des Bundeskriminalamts geht es hier.

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