Motivation
Als ich mich 1995 in Tirol selbständig gemacht habe, war das ein gewisser Kulturschock. Während ich in meiner Zeit in München bloß auf die andere Seite des Ganges gehen musste, um mich über die neuesten IT-Themen zu informieren, fehlte diese Wissensinfrastruktur in Tirol fast vollständig. Natürlich war ich nicht nach Tirol zurück gekommen, weil die Standortfaktoren für meine Firma so optimal waren – ganz im Gegenteil. Ich gründete meine Firma in Tirol, weil ich hier geboren und weitgehend aufgewachsen war – und weil meine spätere Frau eben auch Tirolerin ist.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hätte ich meinen Firmenstandort gleich wieder verlegen sollen. Allerdings hatte ich in Bayern gesehen, dass man mit den richtigen Ideen und dem nötigen Kleingeld einen Wirtschaftsstandort so gestalten kann, dass er modernen IT-Firmen die richtigen Rahmenbedingungen bietet. München wurde so der zweitwichtigste IT-Standort in Europa, gleich nach Cambridge. Und wir sind in Tirol nur einen Katzensprung davon entfernt. Warum also nicht etwas Vergleichbares in Tirol versuchen? Nicht den Firmenstandort verändern, sondern den Wirtschaftsstandort. Unmöglich? Natürlich!
Also marschierte ich 1996 mit dem Kollegen Hausberger zum damaligen Landeshauptmann Weingartner und erzählte ihm von meiner Idee. Wendelin Weingartner löcherte mich solange mit Fragen (Warum und Wieso) bis ich selber nicht mehr richtig wusste, was ich eigentlich wollte. Immerhin wurde ich ein Jahr später Internet-Berater des Landes Tirol.
Als die Landesregierung die Tiroler Zukunftsstiftung ins Leben rief, konnte ich sie mit dem Kollegen Robert Huber gewinnen, einen IT Think Tank zu gründen, die “IT Plattform Tirol”. Gemeinsam mit Branchenkollegen und IT-Leitern großer Tiroler Firmen entwickelten wir ein IT-Konzept für Tirol.
Parallel entstand aus den Zukunftsgedanken für Auslandstiroler in der Wirtschaftskammer unter der Führung von Prof. Buchberger das Konzept für das “International Center for Information- and Communication Technologies” ICT, das wir als IT-Plattform positiv evaluierten. Das Konzept basiert auf den 3 Säulen Forschung, Lehre und Wirtschaft.
Die Präsentation des Konzeptes der IT-Plattform in den Kristallwelten bildete den Startschluss für die Informatik-Initiative des Landes Tirol. Es folgte die Einrichtung von Informatik-Lehrstühle und FH Lehrgängen. Als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Universität wurde das Trans IT eingerichtet und das Land Tirol initierte im Jahr 2000 einen IT- und Jungunternehmer Cluster.
Eigentlich, dachte ich mir, kann jetzt nichts mehr schief gehen! Die Erfahrung der letzten Jahre zeigte mir jedoch, dass ohne die nötige Achtsamkeit aller Beteiligten, das gemeinsame Ziel leicht aus dem Fokus gerät. Die IT-Plattform ist längst aufgelöst, der erste IT-und Jungunternehmercluster ist verhungert, von den UNI-Absolventen sind nur wenige in den Tiroler Firmen angekommen, aus dem Transferzentrum für Informationstechnolgie ist ein Transferzentrum für beliebiges geworden und die Firmenansiedlung im ICT wird ausgedünnt.
Dennoch herrscht Aufbruchstimmung in Tirol. Die Wirtschaftskammer ist mit der Vision zum Ausbau der IT-Wirtschaft neuerlich zur Triebfeder der Entwicklung geworden. Das Land Tirol setzt mit seiner Technologieoffensive neben Maschinenbau und Elektrotechnik einen neuen Schwerpunkt in der Informationstechnologie. Die Zukunftsstiftung hat einen neuen IT-Cluster ins Leben gerufen und die Erfolge der Tiroler IT-Firmen können sich sehen lassen.
Wenn die traditionellen Säulen des Tiroler Wirtschaftsstandortes – Industrie und Tourismus – bestenfalls stagnieren, was ist dann das nächste “Ding”, das unseren Wohlstand sichert? Für mich ist die Antwort klar: Hochqualifierte Dienstleistungen für Unternehmen – und hier insbesondere die Informationstechnologie!
Da hilft nur eines: Dran bleiben!
